An seiner Herbstveranstaltung ging der Hauseigentümerverband der Frage nach, ob Wohneigentum in der Region noch attraktiv ist. Fazit: Ja, aber es gilt gut vorzusorgen.

Muss angesichts der hohen Preise im Raum Winterthur damit gerechnet werden, dass die Immobilienblase platzt? Nein, fanden die HEV-Vertreter am Herbst-Podium. Bild: Marc Dahinden

«Hauseigentümer werden stark belastet mit Gebühren, man zahlt und zahlt», klagte Martin Farner, Präsident des Hauseigentümerverbands und FDP-Kantonsrat Martin Farner zu Beginn der Veranstaltung. Er beleuchtete in einem kurzen Referat die politische Entwicklung beim Wohneigentum. Bund und Kantone hätten zahlreiche Vorschriften erlassen, die das Eigentum aushöhlten, so Farner. Die Wahlfreiheit bei Heizungen sei massiv eingeschränkt worden und es gebe Vorgaben zu Gewässerschutz, Hochwasserschutz oder Heimatschutz sowie zahlreiche neue Wegleitungen. «Die Belastungsgrenze ist überschritten», befand er. Es gebe aber auch positive Signale. «Es tut sich etwas in Sachen Eigenmietwert.» Das sei wichtig, da Wohneigentum nicht gleichzusetzen sei mit Reichtum und gerade Rentner dadurch in finanzielle Schwierigkeiten gerieten.

Massiver Preisanstieg
Jörn Schellenberg, Teamleiter GIS Analysen bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) gab anschliessend Einblicke in verschiedene Zahlen. Die Zinsen seien in den letzten Jahren nur gesunken, die Bevölkerung aber gewachsen. «Das beflügelt den Markt, denn die Leute müssen ja auch irgendwo wohnen.» Folge war ein massiver Preisanstieg beim Wohneigentum in den letzten Jahren, vor allem bei Stockwerkeigentum an guten Lagen. «Immer mehr Leute konnten sich das nicht mehr leisten. Es fand ein Ausweichen statt», erklärte Schellenberg. Die Leute kauften kleinere Häuser, beispielsweise auf dem Land, und das wiederum trieb auch die Preise ausserhalb der Zentren in die Höhe. Doch wann lohnt sich Eigentum im Vergleich zur Miete? Eine Studie zeigte, dass man beispielsweise in Winterthur 34 Jahre lang eine Wohnung mieten könnte, bis man den Kaufpreis erreicht hat. «Das ist sehr lange. Im Schnitt sind es etwa 27 Jahre», sagte Schellenberg. Entsprechend gebe es in Winterthur wohl auch auf lange Frist mehr Mieter als Käufer.
Gerade weil Immobilien teuer sind, wird für viele Leute die Tragbarkeit zu einem Problem. Michael Hartmann, Leiter Beratungen bei Moneypark, erklärte, dass insbesondere Rentner teils plötzlich keine Hypothek mehr von den Banken erhielten, weil sie weniger Einkommen hätten. «Manche Banken schauen das schon bei 40-Jährigen genau an, andere erst bei 60-Jährigen.» Auch Faktoren wie der Zivilstand, der Wert der Liegenschaft oder Krankheit könnten die Tragbarkeit beeinflussen. Sein Tipp: «Schauen Sie frühzeitig voraus.» Dazu gehöre, das potenzielle Renteneinkommen und den Amortisations- und Sparprozess laufend zu überwachen. Zudem solle man sich nach der Absage einer Bank nicht gleich entmutigen lassen. «Holen Sie verschiedene Offerten ein, in den meisten Fällen findet sich eine Lösung», riet Hartmann.

Nur solide Finanzieren
Im Anschluss an die Referate wollte «Landbote»-Chefredaktor Benjamin Geiger wissen, ob die Fachleute ihm denn nun Eigentum in der Region Winterthur empfehlen würden. Schellenberg sagte: «Machen Sie’s, aber nur wenn sie es solide finanzieren können.» Grundsätzlich sei Wohneigentum attraktiv, vor allem weil Boden knapp werde. «Der Boden macht die Wertsteigerung aus.» Auch Hartmann empfahl einen Kauf: «Es ist ein gutes Gefühl in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Aber man muss Vorkehrungen treffen und das, was man gegenüber einer Miete spart, auch zurücklegen.»

Was tun für junge Leute?
Geiger verwies darauf, dass die steigenden Preise es jüngeren Familien fast verunmöglichen, Wohneigentum zu kaufen. «Was kann man gegen den Preisdruck tun?» Hartmann glaubt, dass die Preisentwicklung nicht so weitergehen wird. «Die Reallöhne stiegen nicht mit, viele potenzielle Käuferschichten brachen dadurch weg.» Irgendwann sei die Decke erreicht. Geiger wollte wissen, ob man denn auf der regulatorischen Seite etwas tun könne, beispielsweise die Vorschriften zur Gewährung von Hypotheken etwas lockern. Doch Hartmann sah hier keinen Spielraum. «Das liesse nur die Preise weiter ansteigen.» 

Farner dagegen fand, man müsse die Zügel wieder etwas lockerer lassen. «Man sollte die Möglichkeit schaffen, dass junge Leute mehr in die 3. Säule einzahlen können und das Geld auch ohne so starke steuerliche Belastung wieder beziehen können.»

«Müssen wir angesichts der hohen Preise damit rechnen, dass irgendwann die Immobilienblase platzt?» fragte Geiger. Schellenberg winkte ab. «Das Preiswachstum wird wohl etwas gedämpft, aber ich rechne mit einer sanften Landung.» Auch Hartmann befand, die Finanzierung sei heute deutlich solider als früher, darum sei dieses Risiko kleiner.

Zum Schluss wagten die Referenten einen Ausblick. Hartmann glaubt, dass die Eigenverantwortung für die Absicherung der Zukunft noch steigen wird. Schellenberg sieht die Preise in fünf Jahren nochmals leicht höher als heute und Farner glaubt, dass die Landschaft weiter unter Druck gerät. «Die bessere ÖV-Erschliessung bringt eine Umschichtung, die innere Verdichtung wird zunehmen.» 

Quelle: Der Landbote (zum original Bericht)

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